Ich erinnere mich sehr gut an früher, und an eine bestimmte Stimme, welche regelmäßig bei uns zu Hause zu hören war.
Ein Stöhnen, welches mich schon sehr früh an das Thema Sexualität heranführte. Wenn auch auf Umwegen. Papa "hat die Frau Schmerzen?" Vermutlich fragte ich das. Nun, genaues weiß man nicht. Nur so viel, Donna Summer hat mit "Love to love you baby" unsere Wohnzimmerboxen massiert.
Mein Vater war und ist ein glühender Fan. Und mehrmals sah ich sie live. Gestern hat Donna Summer ihren Kampf gegen den Krebs verloren.
Donna Summer hat mit ihrem großen Förderer, Giorgio Moroder der Musikwelt einen Stempel aufgedrückt der bis heute hält. Mit dem Überhit "Love to love you baby" wurde der Rock n Roll verwöhnten Radiolandschaft eine völlig neue Tür geöffnet, die gleichsam provozierte wie begeisterte. Der Startschuss zu einer Karriere, die ihr zu Recht den Titel "Queen of Disco" aufdrückte.
Donna Summer stöhnte also nicht nur durch unsere Wohnung, sondern rund um den Globus. Und das knappe 17 Minuten. Zu Hause lief natürlich der Disco Edit.
"Love to love you baby" war aber nur einer von vielen Songs, die unser Wohnzimmer und im Sommer unseren Garten zur Tanzfläche umfunktionierte. Donna Summer war Dauergast in der Travnicek-Revue. Darfs ein bisserl mehr sein? Kein Problem für meinen Vater.
Donna Summer wurde vor allem in der zweiten Hälfte ihrer Karriere oft als Produzentenpüppchen bezeichnet. Doch der Einfluss ihrer Stimme auf den Song und die Chemie, welche zwischen ihr und Giorgio Moroder herrschte, konnte auch danach von Leuten wie Quincy Jones oder Stock/Aitken/Waterman nicht erreicht werden.
Ich kann mich auch noch an einen Kommerz Disco Event in der Stadthalle erinnern. Zwar nicht sehr gut, aber doch. Ende der 70er Jahre. Ich war gerade in die Volksschule gekommen, da zwangen mich meine Eltern mir Bands wie Boney M, Ottawan aber eben auch Donna Summer live anzusehen. Ich sage "Danke" dafür. Die Qualitätsunterschiede wurden mir erst viel später bewusst. Donna Summer rückte damals schon meinen Rhythmus zu recht und in Schülerstammbüchern stand ihr Name nur zu gerne bei der Rubrik "Lieblingsmusik". So gesehen war sie ständige Begleitung und erste musikalische Freundin. Donna Summer...I love to love you baby!



