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Monday 20-02-2012

nora, jelinek & eine kleine sensation

 

Author : Astrid Hauss

"Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft" – hinter diesem etwas sperrigen Titel verbirgt sich das erste Theaterstück von Elfriede Jelinek aus dem Jahr 1978. Die Garage X im ersten Bezirk zeigt das Stück ab dieser Woche – für so ein kleines Theater eine Sensation.

Die Autorin, die bereits mehrmals Aufführungsverbote für Österreich erließ, handhabt die Rechtevergabe für österreichische Theater äußerst restriktiv. „Deshalb ist es besonders erfreulich, dass die GARAGE X die Rechte erhalten hat", so Harald Posch, Co-Intendant der Garage X. Mit den Proben wurde bereits begonnen, die Premiere findet am 22. Februar statt.

Das Stück ist eine sehr freie Fortschreibung von Henrik Ibsens bürgerlichem Beziehungsdrama „Nora" und eine kritische Auseinandersetzung mit der feministischen Bewegung der 70er Jahre, die die ökonomischen Zusammenhänge weiblicher Emanzipation ausblendet.

„Was hier auffällt ist, dass Jelinek als eine der ersten die Abhängigkeit einer Gesellschaft von der übermächtigen Wirtschaft am Beispiel einer Frau, die sich verwirklichen will, darstellt und die Objekthaftigkeit der Ware Frau unter dem Einfluss der korrupten kapitalistischen Männerwelt analysiert und auf brutale Weise vorführt. Dieses Werk aus den 70´er Jahren ist leider überall und besonders in Österreich traurige Realität".

Die Handlung setzt ein, als Nora Mann und Kinder verlässt und in ein selbstbestimmtes Leben aufbricht. Ihr Befreiungsversuch endet in einem bösen Reigen der Desillusionierung, nachdem sie sich zum Spielball ökonomischer Interessen der Männergesellschaft hat machen lassen.

In ihrem Text revoltiert die Autorin gegen Bedeutung und Tiefe; das Subjekt, ob männlich oder weiblich, mächtig oder ohnmächtig, wird austauschbar.

Doch wohin steuern Elfriede Jelineks Figuren in einer Gesellschaft, die verbindliche regulative Werte zunehmend unter das Diktat der Verwertbarkeit stellt? Erfahren bürgerlich-feudale Werte und Rollenmuster in der Kontrollgesellschaft eine vermeintlich freiwillige Renaissance? Unterwirft sich vor allem das weibliche Subjekt weiterhin archaischen Rollenbildern, die freilich spätmodern lässig daherkommem? Ein theatraler Angriff auf wertekonforme Theorien und die Emanzipationsbewegung. Schonungslos, obszön.

Raffael Zucalli hat sich mit Regisseur Ali M. Abdullah und Darstellerin Julia Jelinek unterhalten: 

Garage X