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Thursday 02-02-2012

stan getz - from jazz to bossa & back

 

Author : Astrid Hauss

Seine Sounds haben der Bossa Nova, ebenso wie dem Jazz, Leben eingehaucht. Stanz Getz hat über Jahrzehnte als einer der virtuosesten Saxophonisten die Musiklandschaft massiv geprägt. Sein grammy-gekröntes "Girl from Ipanema" hat er zum Schluß nicht mehr gerne gespielt. Aber warum auch? Es gab so viele andere großartige Songs, an denen Stan Getz mitgewirkt hat. Heute wäre er 85 geworden.

Der Lebensweg des Sohnes jüdisch-russischer Einwanderer beginnt am 2. Februar 1927 in Philadelphia. Aufgewachsen ist er schließlich im New Yorker Stadtteil Bronx, wo sein musikalisches Naturtalent zunächst im Schulorchester ans Licht kam. Getz ist begabt, hat ein Stipendium an der Juilliard-School so gut wie in der Tasche, als er es Zuhause nicht mehr aushält. Er reißt aus, wendet sich dem Jazz zu, geht als 15jähriger mit Dick Rodgers auf Tournee und ist ein Jahr später bereits im Ensemble von Jack Teagarden zu hören.

Bald macht Stan Getz aber auch in namhaften Big Bands der ausgehenden Swing-Ära auf sich aufmerksam: Er spielte bei Stan Kenton, Jimmy Dorsey und Benny Goodman. Mitte der 40er Jahre gehört er bereits zu den interessantesten weißen Tenor-Saxophonisten des sich gerade etablierenden modernen Jazz.

Den nächsten wichtigen Karriere-Schritt macht Getz, als er sich 1947 der Bebop-Big-Band "Second Herd" von Woody Herman anschließt und mit der Formation "Four Brothers" zur wichtigsten Bläsersektion dieser Jahre gehört. Ein Sound, der maßgeblich zum Erfolg des gerade aufkommenden Cool Jazz beiträgt und Getz zum großen Idol der Ära macht. Leider beginnt auch in dieser Zeit seine Drogenabhängigkeit, die ihn auch für kurze Zeit ins Gefängnis bringt. Eine Sucht, die er erst im hohen Alter wirklich besiegt.



1961 produziert er das Album "Focus", beweist in der Frühzeit des Free Jazz sein Improvisationstalent. Die beste Platte, die ich je gemacht habe, soll er einmal gesagt haben. Dem künstlerischen Höhepunkt folgt ein kommerzieller. 1962 löst er durch seine Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Charlie Byrd und brasilianischen Künstlern wie Antonio Carlos Jobim, Joao und Astrud Gilberto das Bossa Nova-Fieber aus. Brasilianische Rhythmen verschmelzen mit jazzigen Harmonien. Alben wie "Jazz Samba" und Songs wie "The Girl from Ipanema" stürmen die Hitparaden.


getz stan 3

Es folgen mehrere Bands, etwa mit dem Pianisten Chick Corea, die sich aber als wenig dauerhaft erweisen. 

Getz spielt Mitte der 70er Jahre an der Seite von Airto Moreira und Tony Williams oder im Duo "The Peacocks". Während der Achtziger entwickelte er dann eine enorme Aufnahmetätigkeit, veröffentlich mehrere dutzend Alben wie "Autumn Leaves" (1980) oder "People Time" (1991). Und: Getz gibt sein Wissen weiter. Ab 1985 hilft er der Stanford University das junge Jazz Departement aufzubauen und gibt dort als Dozent seine Erfahrungen an die nachfolgende Generation weiter.

Doch ihm bleibt nicht mehr viel Zeit. 1987 wird bei Stan Getz Krebs diagnostiziert. Er stellt seine Leben um, setzt auf gesunde Ernährung und Naturheilkunde und lebt länger als die Ärzte im prognostiziert hatten. Dennoch ist es ein Kampf, den er am 6. Juni 1991 endgültig verliert.

Mit Stan Getz stirbt damals eine der letzten lebenden Legenden des Jazz, die noch einem Millionen-Publikum bekannt war. Das Vorbild einer ganzen Musikergeneration.