Tuesday 27-07-10
empfehlung der woche - prince - 20ten
Autor: Samir H. Köck
Der kleine Mann ganz groß! Prince mit 20Ten...
Prince - 20Ten
von Samir H. Köck
Mitte Juli hat Prince endlich wieder den Weg nach Wien gefunden. Nicht weniger als 17 Jahre war es her, dass der kleine Mann aus Minneapolis hierzulande zuletzt begeistert hat. Rogers Nelson, wie er mit Geburtsnamen heißt, erbeutet hungrige Herzen nach wie vor mit saftigen Synthieschlieren, bissigen Basslines, versonnenen Gitarrensoli und verzückten Gesängen, Erstaunlich war bloß, dass er, der mit „20Ten“ eben ein neues Album fertig gestellt hat, nichts davon live präsentiert hat.
Die Motive dafür liegen im Dunkel der prinzlichen Gedächtnishalle. Vom Ästhetischen her betrachtet, hätten die neuen, sehr nach Eighties klingenden Lieder perfekt zum in der Wiener Stadthalle dargebotenen „Greatest-Hits-Set“ gepasst. Nach ein paar Jahren in Los Angeles ist Prince kürzlich wieder nach Minneapolis zurückgekehrt. Dabei hat er wohl beim Aufräumen in den Paisley Park Studios altes Equipment wiederentdeckt. Nun blubbern die Linn-Drum-Computer wieder, zwitschern Analog-Synthesizer harmoniesüchtig im Opener „Compassion“, einer Ode an das menschliche Mitgefühl.
Prince, diese quecksilbrige Miniatur von einem Menschen, hat für seine Fans nichts als musikalische Großtaten vollbracht. Von Joni Mitchell bis zu Pharrell Williams, preisen zweieinhalb Generationen erfolgreicher Popstilisten, Prince als Hohepriester, der die sonst so feinsäuberlich aufgesplitterten Genres zwischen piepsigem Soul und brachialem Rock, dreckigem Funk und sensuellem Disco, scheinbar mühelos zusammenführt. Besonders anrührend ist Prince, wenn er balladiert. Der Mann der einst mit „Head“ eine Oralsex-Hymne schrieb, die er heute aus religiösen Gründen nicht mehr performt, gibt sich heute lieber als liebeskranker Enthusiast, denn als Opfer seiner Hormone. Ein besonders schönes Exemplar von Balzgesang ist: „Sea Of Everything“.
Im deutschen Sprachraum kann man das Album als Beigabe des Rolling-Stone-Magazins erstehen. Prince, früher Pionier der Internetvermarktung- und -präsentation hat kürzlich seine Homepage stillgelegt, hat der digitalen Gegenwelt offensichtlich auf ewig abgeschworen. Mit I-Tunes und YouTube will er nichts zu tun haben. Seine Strategie des CD-Verschleuderns per Zeitung kommentiert er im Daily Mirror etwas dürr: „It´s the best way to go....no charts, no internet piracy and no stress. Period.“ Bevor er sich etwas stehlen lässt, schenkt er lieber her....... das ist eine Strategie, die sich nur die reichsten Musiker leisten können. Mag seine Sicht auf die Realität durch was auch immer etwas vernebelt sein, musikalisch hat Prince immer noch den Durchblick. Ein schönes Beispiel dafür ist das auf einem mächtigen Synthieriff reitenden „Beginning Endlessly“. Prince, gibt – mit viel Gift in der Stimme einmal mehr den Verführer: „Darling, let´s get down.....let me be your man“