Wer bei Budapest an Ost-Tristesse, Paprikahuhn und Dobos Torte denkt, der ist nicht mehr auf dem Laufenden. Die Stadt ist wie kaum eine andere vom Wandel gekennzeichnet und strotzt nur so vor Internationalität. Die Bauwerke der kommunistischen Ära, werden nach und nach in Designhotels, Restaurants und Galerien umfunktioniert. Statuen werden zu Kunstwerken, der Kommunismus existiert lediglich als Mitbringsel aus einem Souvenirshop. Budapest präsentiert sich weltstädtisch und elegant, dazu kommt eine junge kreative Szene die sich mittlerweile auch an Städten wie Paris, Amsterdam oder Stockholm messen kann. Doch bei allem Aufbruch, allem Neuen hat sich Budapest seinen Charme bewahrt, die berühmten Thermalbäder und prachtvollen Jugendstilhäuser sind noch in alter Schönheit zu bewundern. Und Thermalbäder, das ist Stichwort.
Budapest ist die einzige europäische Hauptstadt, die sich Heilbad nennen darf. Mit 25 Bädern und 15 Heilbädern ist sie die Badehauptstadt Europas. Während der Türkenherrschaft im 16. Jahrhundert wurden reihenweise Bäder gebaut von denen einige bis heute erhalten sind. Ohne eines dieser Bäder besucht zu haben, ist ein Budapest Trip nicht vollkommen.
Das wohl bekannteste ist das Gellért. Nicht nur wegen seiner imposanten Jugendstil Architektur einen Besuch wert. Das Hauptbecken im Inneren, mit seiner Galerie und den Säulen, ist atemberaubend. Das Dach wird bei schönem Wetter geöffnet. Das verspielt geformte und mit reichlich Mosaik geschmückte Außenbecken, war das erste Wellenbad weltweit. Weiters gibt es noch Thermalbecken und zahlreiche medizinische Therapien, die vor allem Touristen anlocken. Trotzdem lassen sich die alten Stammgäste nicht vertreiben oder vom allmorgendlichen Schach spielen abhalten. Die meisten Budapester gehen aber in ein anderes Bad.
Unweit vom Gellert befindet sich das Rudas Thermalbad, eines der schönsten erhaltenen Beispiele antiker Bäderkultur. Das alte türkische Bad aus dem 16. Jahrhundert hat seine Erscheinung nicht verändert. Bei Hitze und Dampf in fünf Becken mit Temperaturen zwischen 28 und 42 °C kann man sich hier ganz wunderbar entspannen und erholen. Seit 1936 war es ein reines Männderbad, doch mittlerweile gibt es auch Tage, bzw. Nächte für gemischtes Publikum. Denn dort wo im Rudas untertags Regierungsmitglieder aus dem Parlament die Hüllen fallen lassen, wird des öfteren in der Nacht gefeiert. Bei exzessiven Parties mit DJs.
Der letzte Bädertip ist das schönste von Allen und ist groß genug um genügend Touristen und Budapester unterzubringen. Das Széchenyi Heilbad. Gespeist wird es von der heißesten Thermalquelle Budapests, die mit ihren 75°C erst 1879 entdeckt wurde. Dank dreier Außen- und sieben Innenbecken, sowie einigen Kaltbecken, Saunen, einem Dampfbad und einem Heißraum lässt man den Tag vorüberziehen. Budapester verbringen hier einen Ganzen. Entspannt lassen sie sich tief ins Wasser gleiten, bis zum Kinn, und von gesunden Mineralstoffen und Spurenelementen einer alten Geschichte benebeln.
Mit dem Gefühl, dem Körper etwas gutes getan zu haben, lässt sich der Abend in 2 der genialsten Lokale Europas feiern. Doch dazu mehr beim nächsten Mal.