Zweimal zieht die Venus im 18. Jahrhundert über die Sonne. Einmal im Jahr 1761 und acht Jahre später noch einmal. Schon beim ersten Transit liefern sich besonders Franzosen und Briten ein Wettrennen um die besten Beobachtungsplätze in entlegenen Gebieten wie Sankt Helena im Südatlantik oder Mauritius. Heute kommt man mit dem Flugzeug in ein paar Tagen dorthin, aber nicht im 18. Jahrhundert. Mit mehreren hundert Kilo Ausrüstung beladen, müssen die Astronomen Monate und manchmal sogar Jahre auf Schiffen verbringen und hoffen, dass sie keinen Stürmen, Krankheiten oder Seeräubern zum Opfer fallen.
Nach dem ersten Transit gibt es zwar Messungen aus aller Welt, aber sie sind zu ungenau. Also machen sich acht Jahre später wieder hunderte Astronomen auf den Weg um die Welt. Der berühmte Captain Cook segelt mit einem Forschungsschiff nach Tahiti, das erst ein paar Jahre vorher entdeckt wurde. Andere Expeditionen gehen nach Sibirien, an die kalifornische Küste oder Richtung Nordpol. Die Forscher sind oft jahrelang unterwegs und müssen Kälte, Hunger und Krankheiten aushalten – und oft sehen sie am Tag des Transits nichts weiter als Wolken am Himmel.
Doch wenigstens hat die Geschichte ein wissenschaftliches Happy End: Nachdem es noch einmal Jahre braucht, bis die Messungen aus aller Welt in Europa ankommen, können die Astronomen zum ersten Mal die Entfernung zwischen Sonne und Erde bestimmen: Sie kommen auf ungefähr 150 Millionen Kilometer. Auch heute lernen wir diese Zahl noch in der Schule.
BUCHTIPP DER WOCHE – FACTS:

Andrea Wulf –
Die Jagd auf die Venus
(und die Vermessung
des Sonnensystems)
Verlag: C. Bertelsmann, 2012
ISBN: 978-3-570-10095-0
418 Seiten